Klaus Lotter, geb. 1967

Nürnberg, Mittelfranken

Hobbys; Motorräder, Alfa Romeo, Landcruiser und ein gepflegtes Pils mit Freunden

Kontaktadresse:

lotterkl@gmail.com

 

Warum eine G5?

Natürllich träumen wir alle von der roten Le Mans1. Oder vielleicht von einer Cali2. Keine Frage....auch ich.

Und warum kaufte ich mir dann eine babyblaue G5? Die Erklärung dafür fällt mir leicht. Ich kann auf keiner anderen "alten" Guzzi sitzen. Okay...die alten NTX-Modelle haben auch schöne Sitzflächen....doch woher nehmen. Diese Alteisen sind sehr selten und dazu auch noch recht schwach auf der Brust.

850, bzw. 1000 ccm mussten im alten Twin schon sein. Und ein vernünftiger Zustand war Voraussetzung.  So schränkt sich der Kauf naturgemäß schon recht ein. Bastelbuden und umlackierte neu aufgebaute Klassiker kamen auch nicht aufs Tablet. So ergab es sich das ich mich wieder einmal bei meinem "Guzzihändler" meldete. Und siehe da.....er konnte mir etwas anbieten. So besuchte ich Mike von HMB-Guzzi in Röttenbach. Er bot mir eine alte, diese alte, G5 zum Verkauf an. Anfangs dachte ich mir "nein"......nur ein Tourer und dann dieses blau! Das geht garnicht. Doch es gab für mich keine Alternative. 30 Jahre sollte sie schon alt sein.....und wie schon beschrieben....die Auswahl ist da sehr begrenzt.

So kaufte ich die G5 für einen stolzen Preis. Von der Abholung zeugt das erste Bild unten! Natürlich, wie immer, war ich nur bedingt mit dem Zustand zufrieden. So machte ich aus der G5 meine G5. Heute steht sie wieder "geliebter" vor mir. Sie stand Jahre zuerst in einer Ausstellungshalle und dann in einem Lager hinten verstaubt und mit platten Reifen im Eck. Heute glänzt sie sauber und gepflegt ganz nah an meinem Herzen.

Ich baute die ersten Jahre hin und her, auf und ab. Doch heute trägt sie die originalen "unmöglichen" Koffer, die starre große Scheibe und die originale Auspuffanlage samt Speichenräder. Die Edelstahlschrauben habe ich wieder entfernt und die ursprüngliche Sitzbank wieder angebaut. Originalität ist mir wichtig. Nur so sollte meine G5 sein. Das war ein anstrengender Reifungsprozess. An der Elektrik, am Brotkrob-Cockpit, an der blauen Farbe, der schlampigen Rahmenlackierung und an den Sturzbügeln habe ich nie Hand angelegt. Bewusst und konsequent. Alt soll alt bleiben.

 

 

MOTO GUZZI V1000 G5

Wozu alles Freunde gut sind. Mein Freund Alex holte sie mit mir vom Händler ab. Nicht mal eine Probefahrt hatte ich gemacht. 

Zuhause wurde sie ernst mal gereinigt und gründlich inspiziert. Eigentlich ein ganz guter Kauf, dachte ich mir. 

Die originalen Koffer sind ja ne Riesennummer. Nur nicht fahrbar. Blos weg damit. Sie sollen im Keller verstauben.

Nun ist ein halbes Jahr vergangen. Und eigentlich ist nichts passiert. Zumindest nicht viel. Den Sitzbankkern habe ich erneuern lassen. Der alte hätte mir auf Dauer den Bezug ruiniert...und "gut Sitz" war ja auch nicht mehr. 

Der Motor lief. Ölverbrauch war bisher nicht messbar. Gut,....so viel bin ich nicht damit gefahren. Diese Knieschoner sind jetzt aber weg.

Die Maschine liegt satt. Liegt sicher mit auch an den Konis. Aber einen Vergleich habe ich ja eigentlich nicht. Doch Respekt. Geiles Fahrwerk.

Schönere Zylinderdeckel gibt es nicht. Aber immer schön polieren.....

Der Drehzahlmesser zittert wenig. An das Design dieser Brotbox gewöhnt man sich mit der Zeit.

Den Alu-Lima-Deckel habe ich wieder gegen das Original getauscht. Die beiden Hupen sind wohl Serie...und bleiben deshalb. 

Marzocchi-Gabel und Doppelscheibenbremse. Die Gabel mit Faltenbalgen. Diese sind wohl nicht Serie. Aber recht edle Teil. Die Speichen sprechen für sich. 

Der Motor sieht noch ganz gut aus. Keine Salzspuren. Nichts abgebrochen. Kein Ölnebel. Kaum zu glauben. 30 Jahre und noch immer gut im Futter.

Die beiden Deckel sind bestens in Ordnung. Die Schriftzüge original. Bei den Design habe ich etwas gemogelt. Diese stammt von mir und sind im Original etwas anders.

Die Vergaser habe ich geradegegestellt. Dazu waren Flansche nötig die auch nochmals bearbeitert werden mussten. Die Ansaugschnorchel sind so noch nicht final.

Kein Geräusch aus dem Kardan. So kann es bleiben. Wer weiß wie ich ihn wieder heller bekomme?

Alles in Allem eine sehr schöne fast noch originale V1000 G5 aus dem Jahre 1982.

2016 spendierte ich der Guzzi neue Originaltöpfe. Aus den alten Flöten war optisch nicht mehr viel rauszuholen. Der Klang war, gottseidank, genau wie mit den Alten.

Die Konis habe ich "aufarbeiten" lassen. Neues Öl und neue Dichtungen. Aber wenn ich ehrlich bin.....einen Unterschied beim Fahren konnte ich nicht feststellen. Evtl. waren die beiden Dämpfer gar nicht so schlecht. Aber egal. Jetzt habe ich wieder ein richtig gutes Gefühl.

Ein Bild vom Sommer 2016  wollte ich noch zeigen. Was für eine schöne alte Dame ;-). Jetzt wieder mit den originalen Koffern die damals der G5 zustanden.

Im Winter sind Wartungsarbeiten fällig. Ein Ölwechsel bedeutet aber nicht nur die Auslaufschraube zu entfernen sondern auch die Ölwanne zu demontieren. Der fleissige Schrauber reinigt die ganzen Bauteile, wechselt den Filter, säubert das Sieb und verwendet beim Zusammenbau zwei neue Dichtungen. 

Das Einstellen der Ventile ist kein Hexenwerk und kann wirklich von jedem Interessierten durchgeführt werden. Und es ist auch, zumindest hier, dringend notwendig gewesen. Jetzt tickert sie etwas laut wenn der Motor kalt ist. Dafür ist er leiser wenn er warm ist. So soll es ja auch sein. 

2017 irgendwo auf Tour. Die Guzzi ist mir ein stets zuverlässiger Begleiter. Ich habe noch nie viel Aufwand betreiben müssen. Der Twin läuft sauber, kraftvoll und uhreigen eigenständig.

Die Dunkle Seite der Guzzi......

Natürlich ist die Guzzit trotz guter Pflege ein altes italienisches Eisen. Und solche Bikes bleiben auch mal stehen. Doch bisher hattte ich Glück. Ich bin nie stehengeblieben. Allerdings haben sich ein paar Probleme gezeigt die gelöst werden mussten.

Im ersten Jahr fuhr ich nicht viel. Ich wunderte mich nur immer das die Batterie so schlecht war. Doch sie war nicht schlecht. Sie wurde nur nicht geladen. Irgendwann sprang sie dann nicht mehr an. Gut das ich hier immer gute Freunde an der Hand habe die sich auskennen. Stephan fand den Fehler schnell. Der Händler hatte bei der Montage einer geänderten Nockenwelle die Stecker falsch herum angeschlossen. Es war nichts kaputt. Es war ein allzu einfacher menschlicher Fehler der mit Hilfe eines Schaltplans schnell behoben wurde.

Im Folgejahr wurde der Hauptbremszylinder undicht. Ich tauschte ihn selbst aus. doch er ließ sich nicht befüllen. Die zwei  zuverlässigen Mechaniker meiner Autowerkstatt versuchten das Problem zu lösen. Sie fuhren schließlich selbst Guzzi. Doch der Zylinder blieb stur. 

An der Bremse versuchten sich dann selbst erfahrene Klassikpiloten wie mein alter Kumpel Manfred. Auch er konnte das Problem nicht lösen. Er war felsenfest der Meinung der neue Bremszylinder sei defekt.

So war es dann auch. Der neue Zylinder (ein alter wieder aufbereiteter Zylinder) war verstopft. Da konnte nichts durch. Er wurde durch den Fachmann, der ihn mir verkauft hatte, repariert. Es wurde dann gleich auch die Zündung wieder eingestellt, die Stehbolzen angezogen und anschließend die Ventile nochmals eingestellt. 

Einen Blick unter den Tank werfe ich gerne wenn man an meinem Motorrad gearbeitet hat. Alles okay, nur an das Rupfgehäuse zwischen den Zylindern kommt man zum reinigen einfach nicht heran. Damit muss ich wohl leben. Originale Verkabelung....alt, aber authentisch. So soll es bleiben.

Das letzte Bild kurz vor dem ersten Schnee Dezember 2017. Die G5 läuft in ein weiteres schönes Klassikerjahr.